Wolfgang Amadeus Mozart

Vesperae solennes de Confessore & de Dominica
Te Deum, Fantasie f-Moll

 


Wolfgang Amadeus Mozart: Musik zum Offizium
Litaneien, Vespern, Antiphonen, Miserere und Te Deum

Litaneien
Mozart schrieb vier Litaneien, von denen zwei zu den Lauretanischen Litaneien, zwei zu den Sakramentslitaneien gehören. Die Lauretanische Litanei, deren Text seit 1587 durch päpstliche Approbation feststand, umfasst ein Kyrie, eine mehrteilige Anrufung Mariens, und zum Abschluss ein Agnus Dei. Die Sakramentslitanei war hingegen textlich nicht verbindlich festgelegt. Sie unterlag lokalen Varianten und war nur für außerliturgische Andachten bestimmt. Kyrie und Agnus Dei mit Miserere rahmen einen vielgliedrigen Mittelteil ein, der wort- und bildreich die Heilswirkung der Eucharistie beschreibt. Stärker als die Messen nähern sich die Litaneien der Tonsprache der zeitgenössischen Oper, ohne dass die Zeitgenossen dies als Stilbruch empfunden hätten.

Der außerordentlich knapp gefassten Lauretanischen Litanei in B KV 109 vom Mai 1771 steht die wesentlich großzügigere D-Dur-Litanei KV 195 gegenüber. Die erste der Sakramentslitaneien in B KV 125 orientiert sich deutlich an einer D-Dur-Litanei des Vaters. Die Fuge des „Pignus futurae“ ist mit 226 Takten geradezu ausladend; Mozart hat sie später selbst um 46 Takte gestrafft. Der junge Komponist hat sich auch hier an fremden Vorbildern, namentlich an Johann Michael Haydn, orientiert, von dem er zu Studienzwecken zwei „Pignus futurae“-Fugen abschrieb. In ihrer Vielschichtigkeit und in ihrem Einfallsreichtum erweist sich die Sakramentslitanei KV 243 aus dem Frühjahr 1776 als besonders reizvoll. Sie zählt zu Mozarts besten Kirchenwerken und ist schon zu seinen Lebzeiten in Salzburg und Augsburg mehrfach aufgeführt worden.

Vespern und Vesperpsalmen
In die letzten Salzburger Jahre fällt die Vertonung der beiden Vespern KV 321 und KV 339, die – ähnlich den Litaneien – die beiden Grundtypen der Vesperkomposition abdecken. KV321 gehört zu den Vesperae de Confessore und umfasst damit die Psalmen „Dixit Dominus“ (Ps. 109 in der Zählung der Vulgata), „Confitebor“ (Ps. 110), „Beatus vir“ (Ps. 111), „Laudate pueri“ (Ps. 112) und „Laudate Dominum“ (Ps. 116). Die Vesperae de Beatae Mariae Virgini und damit auch KV 339 lassen auf das „Dixit Dominus“ (Ps. 109), die Psalmen „Laudate pueri“ (Ps. 112), „Laetatus sum“ (Ps. 121), „Nisi Dominus“ (Ps. 125) und „Lauda Jerusalem“ (Ps. 147) folgen. Beide Vesperzyklen werden durch das „Magnificat“ (Luk. 1,46–55) abgeschlossen. Die beiden Rahmensätze „Dixit Dominus“ und „Magnificat“ hatte Mozart bereits im Sommer 1774 einmal vertont (KV 193).

Antiphonen, Miserere und Te Deum
An Umfang kleiner ist die Vertonung des Te Deum KV 141, das sich an das Vorbild Johann Michael Haydns hält, sowie die drei für die Osterzeit bestimmten Vertonungen der Marianischen Antiphon Regina coeli laetare KV 108, KV 127 und 276 und der Vesperantiphon Quaerite primum regnum KV 86 im strengen Stil, mit der sich der 14-jährige Mozart um die Aufnahme in die Accademia filarmonica in Bologna bewarb. Den strengen Stil pflegt Mozart auch in der etwa zeitgleich entstandenenen Vertonung des 50. Psalms Miserere KV 85.


Quelle: Carus-Verlag Stuttgart

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