Geschmeidige Tongebung

Passionsmusik: Das Vocalensemble Darmstadt singt in der Kirche St. Ludwig


DARMSTADT. Passionsmusik des Barock erklang am Samstag beim Konzert „Crucifixus“ des Vocalensembles Darmstadt unter der Leitung von Andreas Boltz in der Darmstädter Kirche St. Ludwig. Tiefe Wehmut verströmte das „Ecce quomodo moritur justus“ aus Jan Dismas Zelenkas Res ponsorien für die Karwoche. Der für das nächtliche Stundengebet der drei Kartage geschriebene Zyklus wurde in einzelnen Sätzen im Wechsel mit Werken anderer Barockmeister aufgeführt. Mit geschmeidiger Tongebung und sicherer Intonation ließ der Chor dabei im ausgewogenen Zusammenspiel mit den Instrumentalisten der Camerata Ludoviciana das 1723 komponierte Werk in ganzer Klangschönheit aufblühen. Hinter der berückend weichen Klangoberfläche trat die in den eigenwi lligen Harmonien verborgene Dramatik jedoch immer wieder mit Nachdruck hervor.

In reizvollem Kontrast dazu standen die wesentlich schlichteren „Kleinen geistlichen Konzerte“ von Heinrich Schütz, deren Interpretation trotz der präzisen Diktion leider etwas klangarm wirkte. Sein volles Klangvolumen entfaltete das Vokalensemble dagegen in Antonio Caldaras sechzehnstimmigem „Crucifixus“, in dessen komplexer, von starken Gegenbewegungen charakterisierter Polyphonie sich die Kreuzigungsszene eindrucksvoll spiegelte.

Einer dramatischen Opernszene glich „Die Verleugnung des Heiligen Petrus“ von Marc-Antoine Charpentier. Im ausdrucksvollen Wechselgesang kosteten die fünf Chorstimmen und die sechs aus dem Chor heraus besetzten Solisten (von denen besonders Ronny Rickfelder als Jesus aufhorchen ließ) das theatralische Potential des Werkes aus.

Höhepunkt des Konzerts war jedoch die Aufführung des „Miserere mei Deus“ von Gregorio Allegri. In der Ludwigskirche verband sich die vom Tenor angestimmte Psalmodie mit dem neunstimmingen Chor und dem auf der Orgelempore angestimmten Gesang des Soloquartetts zu einem spannungsvollen, den kompletten Kirchenraum erfüllenden Ganzen.
Silvia Adler, Darmstädter Echo
26.3.2007


Chorkonzert "Crucifixus"

Passionsmusik der Barockzeit steht auf dem Programm des Chorkonzertes mit dem Vocalensemble Darmstadt unter der Leitung von Regionalkantor Andreas Boltz am

Samstag, 24. März 2007 um 19 Uhr
in Darmstadt (St. Ludwig)

Sonntag, 25. März 2007 um 18 Uhr
in Dieburg (St. Wolfgang)

Sonntag, 1. April 2007 um 16 Uhr
in Montabaur (St. Peter in Ketten)

Zentrale Werke sind das "Crucifixus" für  16 Stimmen von Antonio Caldara, die dramatische Passionsszene "Le reniement de St. Pierre" (Die Verleugnung des Hl. Petrus) von Marc Antoine Charpentier und das berühmte "Miserere" von Gregorio Allegri, das viele Jahrzentefür die päpstliche Karfreitagsliturgie geheim gehalten wurde, bevor es der 14jährige Mozart auf seiner Italienreise nach einmaligem Anhören aus dem Gedächtnis niedergeschrieben hatte. Dazu werden Responsorien für die Karwoche des böhmischen Meisters Jan Dismas Zelenka sowie Werke von Heinrich Schütz aufgeführt.

Eintrittskarten zu 12€/8€ für das ca. 75minütige Konzert gibt es an der Abendkasse und im Ticketshop im Luisencenter Darmstadt.