Weihnachtsoratorium - Johann Sebastian Bach

Kantaten I - VI

2. Weihnachtsfeiertag 2007
Mittwoch, 26. Dezember,  17:00 Uhr
St. Ludwig (Darmstadt)

Donnerstag, 27. Dezember,  19:00 Uhr
St. Peter und Paul (Dieburg)

Vocalensemble Darmstadt
Camerata Ludoviciana
Leitung: Andreas Boltz

Eintrittspreise:
Kategorie A: 20€
Kategorie B: 15€
Familienkarte (2 Erw. + nicht volljährige Kinder): 35€ (nur an der Abendkasse)

Mehr Informationen zum Weihnachtsoratorium


 

Das Weihnachtsoratorium


1 Geschichte

2 Übersicht
3 Aufführungspraxis
4 Literatur
5 Weblink

Das Weihnachtsoratorium, BWV 248, ist eine der berühmtesten und meistaufgeführten geistlichen Kompositionen von Johann Sebastian Bach. Dabei handelt es sich eigentlich nicht um ein geschlossenes Oratorium, sondern um einen Zyklus von sechs Kantaten für die Weihnachtszeit 1734/35, nämlich für die (damals) drei Weihnachtsfesttage (25./26./27. Dezember; Geburtsgeschichte Luk. 2,1-20), den Neujahrstag (Beschneidung und Namengebung Luk. 2,21), den Sonntag nach Neujahr und das Epiphaniasfest (6. Januar; Geschichte von den Weisen aus dem Morgenland Matth. 2,1-12).

Geschichte

Die Musik komponierte Bach nur zum Teil neu. Viele Chöre und Arien entnahm er zuvor entstandenen weltlichen Werken (darunter Gratulationskantaten für das sächsische Herrscherhaus, BWV 213 und 214). Möglicherweise hatte er bei deren Komposition die künftige Verwendung schon im Blick. Zum Beispiel stammt der Eingangschor "Jauchzet, frohlocket" direkt vom Eingangschor der Glückwunschkantate BWV 214 "Tönet, ihr Pauken! Erschallet, Trompeten!" ab (daher die entsprechende Einsatzfolge von Pauken und danach Trompeten). Zahlreiche Choraltexte gehen auf Paul Gerhardt (1607-1676) zurück. Die manchmal etwas schwer verständliche, bildreiche Sprache der neu gedichteten Arien ist dem Pietismus zuzurechnen.

Vorhandene Stücke im Parodieverfahren wieder zu verwenden, war zu Bachs Zeit keine Seltenheit. Dahinter stand die Überzeugung von der Einheit aller Musik und die Bezugnahme auf einen vorgegebenen Kanon der Affekte, dazu eine handwerklich-schulmäßige Musikauffassung. In der Sturm-und-Drang-Zeit und der ihr folgenden Romantik wurde das Bild vom künstlerischen Originalgenie herrschend, das in unvermittelter Inspiration das Einmalig-Große schafft. Noch in der Mitte des 20. Jahrhunderts empfanden führende Musiker die nicht-originäre Entstehungsweise des Weihnachtsoratoriums als peinlich. Doch konnte diese Auffassung nicht verhindern, dass von allen größeren Werken Bachs das Weihnachtsoratorium heute das populärste und am häufigsten aufgeführte ist.

Übersicht

Teil I: „Jauchzet, frohlocket“

Parodievorlage: „Tönet, ihr Pauken, erschallet, Trompeten“ (BWV 214)

Besetzung: Soli, Chor, Trompete I-III, Pauken, Traversflöte I/II, Oboe I/II (auch als Oboe d'amore), Streicher, Basso continuo

Vorgesehener Aufführungszeitpunkt: 1. Weihnachtstag (25. Dezember)

Inhalt: In der ersten Kantate geht es um die Zeit vor Jesu Geburt. Die Christenheit preist seine Ankunft („Jauchzet, frohlocket“) mit Pauken und Trompeten und jubelndem Eingangschor. Weiter handelt dieser Teil davon, dass Maria und Joseph durch ein Gebot des Kaiser Augustus gezwungen waren, ihre Heimat Galiläa zu verlassen und sich in Josephs Geburtsort Bethlehem zählen zu lassen. (Lk 2,1-6) Die Alt-Arie „Bereite dich Zion“ gibt eine erste Ahnung von der Größe des Bevorstehenden. Die Gemeinde antwortet mit dem Choral „Wie soll ich dich empfangen“ von Paul Gerhardt. Das Rezitativ „Und sie gebar“ berichtet von Jesu Geburt. (Lk 2,7) Die Arie „Großer Herr, o starker König“ preist als Hymnus die Majestät Gottes. Teil 1 schließt mit der Bitte, als ständige Erinnerung das eigene Herz zur Krippe werden zu lassen.

Teil II: „Und es waren Hirten in derselben Gegend“

Besetzung: Soli, Chor, Traversflöte I/II, Oboe d'amore I/II, Oboe da caccia I/II, Streicher, Basso continuo

Vorgesehener Aufführungszeitpunkt: 2. Weihnachtstag (26. Dezember)

Inhalt: Die zweite Kantate handelt von der Nachricht der Geburt Jesu an die Hirten. In der Eingangs-Sinfonia werden mit Flöten und Oboe da caccia Schalmei und Dudelsack der Hirten sowie volkstümliche Terzmelodien und punktierter Rhythmus stilisiert nachgeahmt. In der Nacht erscheint den Hirten zu deren Schrecken ein Engel. (Lk 2,8-9) Der Tagesbeginn wird durch den Choral „Brich an, du schönes Morgenlicht“ dargestellt. Der Engel verkündet die Geburt von Christus. (Lk 2,10-11) Mit Bassstimme erinnert Gott an die alttestamentliche Messias-Verheißung an den Hirten Abraham. Aufgeregt mahnt ein Hirte zur Eile, das Kind zu sehen. Nun prophezeit der Engel den Fund des Kindes in der Krippe (Lk 2,16), wiederholt durch den Gemeindechoral „Schaut hin, dort liegt im finstren Stall“. Die Bassstimme fordert jetzt direkt dazu auf, zum Stall zu gehen und dem Kind ein Wiegenlied zu singen. Nachdem Maria das Wiegenlied „Schlafe, mein Liebster“ gesungen hat, jubilieren die Heerscharen der Engel in einer großen Tutti-Fuge mit langen Melismen „Ehre sei Gott in der Höhe“ und bitten leise um Friede auf Erden. Darin stimmen die Hirten tänzerisch mit „Wir singen dir in deinem Heer“ ein, womit der 2. Teil endet.

In dieser Kantate wird sichtbar, dass Bach an der Entwicklung neuer Instrumente interessiert war. Er förderte z. B. den Bau der Oboe d'amore, wo durch die tiefere A-Stimmung und den kugelartigen Schallbecher ein gedeckter, besonders süßer Klang entsteht. Bei der Oboe da caccia ergibt sich durch eine halbrunde Form mit Messingschallbecher ein dunkler Ton mit feinem metallischem Glanz. Sie existiert bisher nur als experimenteller Nachbau. Ihr entspricht am ehesten die heutige Tenoroboe in F.

Teil III: „Herrscher des Himmels, erhöre das Lallen“

Parodievorlage:Blühet ihr Linden, in Sachsen, wie Zedern! (BWV 214)

Besetzung: Soli, Chor, Trompete I-III, Pauken, Traversflöte I/II, Oboe I/II (auch als Oboe d'amore), Streicher, Basso continuo

Vorgesehener Aufführungszeitpunkt: 3. Weihnachtstag (27. Dezember)

Inhalt: Die dritte Kantate schließt die eigentliche Geschichte der Weihnachtsnacht mit der Anbetung durch die Hirten im Stall zu Bethlehem. Die indirekte Gleichsetzung Gottes als „Herrscher des Himmels...“ mit einem König entspricht dabei dem barocken Weltbild mit einem in kirchenähnliche Schlösser entrückten Monarchen. Nach dem Verschwinden der Engel (Lk 2,15) machen sich die Hirten auf den Weg nach Bethlehem, sich gegenseitig auffordernd: „Lasset uns nun gehen“. Mit dem folgenden Choral wird noch mal die große Liebe des Geschenks Gottes freudig angenommen: „Dies hat er alles uns getan“. Nachdem sich die Vorhersage des Engels bestätigt, verbreiten die Hirten die Nachricht weiter. (Lk 2,16-18). In einem zweiten Wiegenlied versucht Maria alles Gehörte meditativ zu verinnerlichen (Lk 2,19 „Schließe, mein Herze“) um danach laut zu bekennen: „Ja mein Herz soll es bewahren“. Die Gemeinde wiederholt diesen Gedanken mit dem kraftvollen Choral „Ich will dich mit Fleiß bewahren“. Der Evangelist berichtet von der fröhlichen Umkehr der Hirten (Lk2,20). Dies wird gefolgt vom sich steigernden, aufwärtsstrebenden Choral „Seid froh dieweil“ als Aufruf an alle Christen. Die „erste Hälfte“ des Weihnachtsoratoriums schließt mit der Wiederholung des Eingangschors.

Teil IV: „Fallt mit Danken, fallt mit Loben“

Parodievorlage: „Lasst uns sorgen, lasst uns wachen“ (BWV 213)

Besetzung: Soli, Chor, Horn I/II, Oboe I/II, Streicher, Basso continuo

Vorgesehener Aufführungszeitpunkt: Neujahr (1. Januar)

Inhalt: Der vierte Teil des Weihnachtsoratoriums beginnt mit einem Chor, der dazu aufmuntert, Gott zu danken, weil sein Sohn "Heiland und Erlöser" werden will. Der Evangelist berichtet von der Beschneidung, bei der das Neugeborene den Namen Jesus bekommt (Lk 2,21). Nachdem der Bass schildert, das Jesus sein Leben und sein Hort ist, fragt eine Sopranarie, ob der Heiland den geringsten Schrecken einflößt; die Antwort lautet "nein". Der Bass fragt sich im Wechsel mit einem Sopranchoral, wie man Jesus am besten rühmen kann; eine Tenorarie erbittet Kraft und Mut für den Dank für Jesu Gnade; ein Choral schließt den Teil IV mit der Bitte um Jesu Beistand ab.

Teil V: „Ehre sei dir, Gott, gesungen“

Besetzung: Soli, Chor, Oboe d'amore I/II, Streicher, Basso continuo

Vorgesehener Aufführungszeitpunkt: Erster Sonntag nach Neujahr (aber vor dem 6. Januar, in dieser Form nicht jedes Jahr möglich.)

Inhalt: Ein lebhafter Chor leitet, Gott preisend, den Teil V ein. Der Evangelist berichtet, wie die Weisen aus dem Morgenland den König Herodes nach dem "neugebornen König der Juden" fragen. Nachdem ein Choral von Jesu Glanz berichtet, der "all Finsternis verzehrt", bittet eine Bassarie um Erleuchtung der "finstren Sinne". Ein Altrezitativ fragt, warum Herodes über Jesu Geburt erschrickt und ob er sich nicht "vielmehr darüber freuen" sollte. Herodes lässt sich von den Hohepriestern und Schriftgelehrten berichten, dass Jesus in Betlehem geboren wurde. Der abschließende Choral bezeichnet eine "solche Herzensstube" als "finstre Grube", doch durch Jesu "Gnadenstrahl" "wird es voller Sonnen dünken".

Teil VI: „Herr, wenn die stolzen Feinde schnauben“

Besetzung: Soli, Chor, Trompete I-III, Pauken, Oboe I/II (auch als Oboe d'amore), Streicher, Basso continuo

Vorgesehener Aufführungszeitpunkt: Epiphanias (6. Januar)

Inhalt: Nachdem der Chor schildert, dass man durch den Glauben an Gott "den scharfen Klauen des Feindes unversehrt entgehen kann", bittet Herodes die Weisen aus dem Morgenland, nach dem Kind zu suchen, damit er es auch anbeten kann. Ein Sopranrezitativ prangert Herodes' Listigkeit und Falschheit an. Eine Sopranarie schildert, dass er nur durch einen Wink "ohnmächtger Menschen Macht" stürzt. Die Weisen aus dem Morgenland finden das Kind in seiner Krippe und schenken ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe. Gott befiehlt ihnen im Traum, nicht zu Herodes zu gehen, sondern in ihr Land zurückzukehren. Ein feierlicher Chor schildert, dass Jesus "Tod, Teufel, Sünd und Hölle" überwunden hat, und schließt das Werk ab.

Aufführungspraxis

Das Weihnachtsoratorium wird im deutschsprachigen Raum häufig aufgeführt, auch wenn Laienchöre dabei an ihre Grenzen stoßen können. Üblicherweise werden dabei die Teile 1 bis 3 oder aber die Teile 4 bis 6 in einem Konzert aufgeführt, meistens in der Adventszeit, also bestimmungsfremd in den Wochen vor Weihnachten. Dies liegt an den geänderten kirchenmusikalischen Rahmenbedingungen, die diese Musik aus dem liturgischen in den konzertanten Rahmen versetzt haben; nur selten wird heute noch Bachs Plan realisiert, die einzelnen Kantaten an einzelnen Sonn- und Feiertagen an und nach Weihnachten zu musizieren. Hierzu passt Albert Schweitzers Einschätzung, dass Zuhörer nach spätestens drei Teilen so erschlagen seien, dass sie "die große Schönheit der Stücke nicht mehr richtig wahrnehmen" können. Auch eine singende Teilnahme der Zuhörer in den Chorälen ist heute allgemein nicht üblich (wobei die Forschung sich nicht einig ist, ob dies zu Bachs Zeit der Fall war).

Literatur

  • Walter Blankenburg: Das Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach, München 1982, 2. Aufl. 1985 ISBN 3761844069
  • Helmut Loos: Weihnachten in der Musik; 402 S., 1992 Gudrun Schröder Verlag Bonn
  • Albert Schweitzer: Johann Sebastian Bach. Wiesbaden 1979, ISBN 376510034X
  • Meinrad Walter: Johann Sebastian Bach: Weihnachtsoratorium, Bärenreiter 2006, ISBN 3761815158
  • Günter Jena: Brich an, o schönes Morgenlicht. Das Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach. Herder Spektrum 4733. Freiburg 1999. ISBN 3-451-04733-0.

Weblinks

Quelle: Wikipedia